Innovation: der Schlüssel zu einem erfolgreichen Kauferlebnis

Gastbeitrag von Mickael Froger, CEO bei Lengow, am 20.09.2017

Trotz der unterschiedlichen Shopping-Gewohnheiten von Land zu Land, sind sich die Verbraucher weltweit bei einem Thema einig: dem Einkaufserlebnis. Durch die sich ständig verändernden Verbrauchertrends hat sich die typische Buying Journey zu einem Omnichannel-Erlebnis entwickelt. Der traditionelle Shopping-Prozess hat seinen Höhepunkt erreicht und Markenhersteller erkennen nun den dringenden Innovationsbedarf in der E-Commerce Branche. Mit diesem Hintergrund sind Marken auf der Suche nach Möglichkeiten zur Wertschöpfung, Personalisierung und zum Aufbau emotionaler Bindungen zu ihren Kunden.

Im Kauferlebnis reicht es nun nicht mehr aus, wenn Marken auf das Angebot als Alleinstellungsmerkmal im Kaufprozess angewiesen sind. Vor allem Millennials erwarten, dass Marken eine faszinierende und personalisierte Buying Journey anbieten. 

Eine Studie von Qubit hat gezeigt, dass 75% der Verbraucher glauben Empfehlungen, die auf ihren vorherigen Kauf basieren, ein wichtiger Faktor in ihrer Buying Journey sind. Die Kundengewinnung und -bindung erfordert daher ein Kauferlebnis, dass auf die individuellen Kundenbedürfnisse ausgerichtet ist. Da Online-Händler dazu aufgefordert sind, reaktiver zu sein, durchlaufen große Marken eine Phase der Neuerfindung und suchen nach neuen Lösungen und Technologien, um ihren Kunden ein innovatives Einkaufserlebnis zu bieten. 

Die wandelnde Consumer Buying Journey

Wie setzen Marken Innovation um und erfinden sich neu? Seitdem der digitale Aufschwung in den letzten Jahren den Einzelhandel erobert hat, investierten Marken zunehmend in Start-up Acceleratoren und Inkubatoren. Sie bieten Raum für Experimente, Innovationen und fördern die Neuerfindung bereits entwickelter Märkte, wie beispielsweise dem E-Commerce Markt. Inkubatoren fördern Arbeitsumgebungen, die darauf ausgerichtet sind, zukunftsweisende Lösungen zu entwickeln, die dem sich wandelnden Einkaufserlebnis der Endverbraucher gerecht werden. Darüber hinaus stoßen die Marken angesichts der zunehmenden Bedürfnissen der Verbraucher sowohl im Online- als auch im Offline-Handel an die Grenzen des Konsums, was für eine gemeinsame Strategie unerlässlich ist. Wenn es um Kaufentscheidungen geht, haben Verbraucher sehr hohe Erwartungen an Marken und die Unmittelbarkeit spielt dabei eine große Rolle.

Shopping Journeys werden mobiler (Mobile First) und zunehmend lokaler, was sich vor allem an der Entwicklung von Googles Local Inventory Ads, Facebook Dynamic Ads for Retail und Beacons feststellen lässt.

Einer Studie von Nielsen zufolge, nutzen mehr als 50 % der Verbraucher mobile Endgeräte, um nach Informationen zu suchen. Konsumenten verwenden ihre Smartphones außerdem dazu, um über Chatbots mit Marken zu kommunizieren. Sie erhalten direkte Antworten auf ihre Fragen und befriedigen ihre individuellen Bedürfnisse somit unmittelbar.

Diese neuen AI (Artificial Intelligence) Lösungen werden zunehmend erforderlich in der Buying Journey: sie führen die Online- und Offline-Welt zusammen, um ein einziges vernetztes Unternehmen zu schaffen. Die Key Player der E-Commerce Branche wie beispielsweise Amazon passen ihre Strategien auf Grund dessen dementsprechend an, um alle Standorte abzudecken und um die größtmögliche Bodenfläche zu gewinnen. Kurz nach der Ankündigung der Markteinführung von Amazon Go vor einigen Monaten, hat der Marktplatz die Supermarktkette Whole Foods Market gekauft.

Zur gleichen Zeit bringt die Digitalisierung dem stationären Handel, welcher nach wie vor der wichtigste Absatzkanal im Einzelhandel ist, neue Impulse ein. In ein paar Jahren könnten wir beispielsweise intelligente Einkaufswagen verwenden oder humanoide Roboter beim Food Shopping antreffen, die uns durch die Gänge des Supermarktes führen.Virtual und Augmented Reality werden es ermöglichen, diese Erfahrungen zu machen, ohne dass Verbraucher auf den Komfort ihres heimischen Sofas verzichten müssen. Ursprünglich waren diese Technologien für die Steigerung des Gaming-Erlebnisses gedacht, allerdings dringen sie zunehmend in den Einzelhandel vor. IKEA hat beispielsweise eine Partnerschaft mit Apple angekündigt, um eine Augmented Reality App zu entwickeln, mit der Verbraucher IKEA-Möbel ansehen und die Möbel virtuell in ihren eigenen vier Wänden platzieren können. Das Bestellen von Produkten wird zunehmend einfacher mit aufkommenden technologischen Innovationen wie Amazon Dash Buttons oder Amazon Echo.

Während sich eine Reihe von Innovationen noch in der Experimentierphase befinden, wandelt sich die Buying Journey der Verbraucher kontinuierlich und Marktteilnehmer können dies nicht mehr ignorieren.

Hinweis zum Lengow Day 2017

Termin:                      Mittwoch, 11. Oktober 2017

Veranstaltungsort:     Chateauform’ City George V, 28 Avenue George V, F-75008 Paris

Formate:                    Keynotes, Round Tables, Workshops und Case Study Präsentationen

Teilnehmer:                350 E-Commerce-Experten und -Entscheider aus ganz Europa

Speaker:                    Roger Graell (Mango), André Patrzek (Keller Sports),
James Roper (IMRG), Chris Dawson (Tamebay), Eva Linda Rohde (Bevh), Stephan Grad (A-Commerce), Thomas Ficht (Idealo Direktkauf), Julien-Henri Maurice (BazarChic), Gilles Brabant (Ingenico ePayments), Rozenn L'Helgoualc'h (Google), Lena Maglo (Google), Romain Baert (Mazeberry) und viele weitere

Tickets:                      http://lengow.com/lengowday/

GEWINNCHANCE auf ein VIP Package  (inkl. Reise, Hotel und Lengow Day Ticket) - bitte Email an imke.muller-wallraf@lengow.com.

Blockchain – zwischen Hype und Wirklichkeit (Teil 2 von 2)

von Christian Milster 19.09.17

Was wären mögliche Anwendungsfelder für die Blockchain-Technologie? Was kann die Technologie bieten? Wo sind ihre Grenzen?

Hier gibt genauso viele verschiedene wie interessante Ansätze: Die Blockchain-Technologie könnte bald Mikrotransaktionen ermöglichen. Da in Blockchains auf den Intermediär verzichtet werden kann, könnten Transaktionen von Cent-Beträgen mit weniger Handlingkosten realisierbar werden. Könnte die Effizienz belegt werden, würden sich ganz neue Möglichkeiten ergeben, wie wir mit dem Internet interagieren. Nehmen wir als Beispiel die Verbreitung von kostenpflichtigen Medieninhalten im Netz. Ein zentrales Problem ist hier, dass Leser in der Regel nicht bereit sind, 99 Cent für einen Artikel zu bezahlen, wenn sie die ganze Zeitung bereits für zwei Euro erwerben können. Andererseits können Anbieter diese Services (zumindest aktuell) nicht günstiger ermöglichen. Denn sie haben enorme Kosten, da zur Abrechnung letztlich immer zusätzlich ein Zahlungsdienstleister nötig ist. Das ließ sich bislang nicht lösen. Durch die Blockchaintechnologie wäre es zukünftig jedoch möglich, das Lesen eines Online-Artikels automatisiert abzurechnen – und zwar zeilengenau auf den Cent. Server und Browser kommunizieren miteinander, und es wird gemessen, wie weit Nutzerinnen und Nutzer herunterscrollen. Dieses an der tatsächlichen Nutzung orientierte Verfahren ließe sich auf weitere Bereiche übertragen: Sekundengenaue Abrechnung von Hör-/Sehgewohnheiten von Musik-, Video/Film-Angeboten oder auch ausgerichtet am individualisierten Nutzungsverhalten von Software-Modulen könnten eine Alternative zu heutigen Flatrate-Verfahren sein.

Ein weiterer Anwendungsbereich dürfte das Internet der Dinge (Internet of Things, IOT) werden. Wenn Maschinen in Zukunft miteinander und somit direkt kommunizieren, dann sollten sie idealerweise auch Geld oder andere Werte austauschen können – einfach geregelt nach dem Wenn, dann-Prinzip. Auch im Bereich der Versicherungen ist viel Anwendungspotenzial: Durch die Auswertung von Sensordaten etwa könnte eine Versicherung mittels Blockchain und Smart Contracts die Auszahlung von Versicherungssummen im Schadenseintrittsfall automatisiert auslösen (lassen). Ein weiteres Beispiel ist die Hafenlogistik; hier könnte über eine Blockchain das komplette Dokumentenmanagement aller Beteiligten abgewickelt werden.

Auch könnte das Elektroauto schon bald an der Stromtankstelle automatisch und somit selbständig bezahlen; Musiker könnten direkt für ihre Werke honoriert werden ohne dass Spotify oder iTunes dazwischengeschaltet sind. Diese Entwicklung könnte disruptiv auf das Geschäftsmodell Plattform wirken, da die Blockchaintechnologie eben – wie oben beschrieben – den Intermediär Plattform nicht mehr benötigt. Technologisch gesehen. Aber die Plattformen binden auch Kunden. Plattformen und Aggregatoren treffen eine Produktauswahl, leiten und führen uns durch das Sortiment, treffen Vorentscheidungen.

Wie die genannten Beispiele zeigen, könnten sich die Internetanwendungen in Richtung einer fließenden Mikro-Ökonomie bewegen. Das betrifft noch viele weitere Bereiche. Unser Verständnis von E-Commerce könnte sich noch einmal komplett wandeln. Bisher ist dieses ja recht stark an die Vorstellung von einem Shop mit einem oder mehreren Bezahlsystemen gekoppelt. 

Auch wenn diese Technologie ein riesiges Innovationspotenzial birgt, werden sich solche disruptiven Umbrüche jedoch nicht über Nacht einstellen.

Ermöglicht die Blockchaintechnologie tatsächlich, dass alles automatisiert, anonym und fälschungssicher abläuft?

Im Handel gibt es bereits einen potenziellen Nutzen: Der große russische Online-Marktplatz Ulmart kämpft im Fashion-Bereich intensiv gegen Produktfälschungen. Und da Blockchains transparente Informationsebenen mitliefern – und diese nicht nur Transaktions-, sondern auch Waren- und Produktbezogen sein können –, untersucht Ulmart den Einsatz der Technologie mit dem Ziel, die Echtheit der Waren gewährleisten zu können. Kritisch bleibt jedoch die Ursprungsinformation beim Thema Rückverfolgbarkeit. Die Daten, die einmal eingestellt wurden, werden durch die komplette Blockchain weitertransportiert. So können unwahre Informationen in Umlauf gebracht werden, weil sie nicht durch einen Intermediär validiert wurden. Da hilft es dann auch nicht, dass Daten in der Blockchain vom Produzenten über Lieferanten und Spediteur bis zum Kunden nicht manipuliert werden können.

Welchen möglichen Herausforderungen steht die Blockchain gegenüber?

1. Blockwashing

Eine der größten Herausforderungen im Umgang mit der Blockchain-Technologie wird Blockwashing sein: Galt Dezentralisierung als wichtiges Charakteristik der Original-Blockchain, muss geklärt werden, was der Einzug der Technologie in Cloud-Strukturen für die Sicherheitsleistung bedeuten wird. Zwar kann alles auch kryptografisch gesichert werden, was aber wiederum von einer einzigen Partei betrieben werden würde. Der ursprüngliche Charakter der Blockchain wird damit eigentlich ausgehöhlt.

2. Fehlende Standardisierung, aber das Rad muss hier nicht neu erfunden werden

Ebenfalls werden wir uns mit dem Thema Standardisierung auseinandersetzen müssen. Es gibt zahlreiche Vorschläge und Lösungsansätze für die Blockchaintechnologie. Jede mit ihren Vor- und Nachteilen. Um allgemeingültige und veritable Standards zu definieren, muss hier auf Kooperationen und Zusammenarbeit gesetzt werden.

Die Internationale Organisation für Normung (ISO) hat bereits ein Komitee gebildet, das erste Bemühungen in diese Richtung prüft. Schwerpunkte liegen dort zunächst in den Themenfeldern Terminologie und Konzepte. Als ein Anhaltspunkt für die Komplexität mag die Situation herhalten, dass bei ISO essenzielle Themen wie Interoperabilität oder Governance erkannt aber noch nicht bedient werden.

Da Blockchain letztlich eine weitere Technologie ist, um Daten auszutauschen, muss hierfür in vielen Bereichen das Rad nicht neu erfunden werden. Geht es um die Identifikation der Textilien auf der Online-Plattform, der Dokumente in der Hafenlogistik oder der Servicebeziehung in der Versicherungsbranche, so können bewährte eindeutige Idente, wie sie etwa GS1 hierfür zur Verfügung stellt, auf das Blockchain-Umfeld übertragen werden. Gerade weil global und universell ausgerichtete Standards in den unterschiedlichsten Branchen einsetzbar sind, erleichtert es auch technologische Migrationen. Wo früher ausschließlich Barcode-Lösungen zum Tragen kamen, finden wir heute mitunter auch Transpondertechnologie im Einsatz. Neben klassischen EDI-Formaten haben sich in manchen Branchen XML-basierte Lösungen etabliert. Dies alles ist möglich, weil die auf Standards fußende Basis Kompatibilität herstellt. Nachgelagerten Systemen kann es aufgrund standardisierter Schnittstellen egal sein, ob die Information aus einem Barcode oder einem Transponder ausgelesen worden war.

Gleiches ist sinnvoll für die Blockchaintechnologie. Hier könnte – in Kombination mit den beschriebenen Identen – dem Schnittstellenstandard EPCIS eine wichtige Rolle zukommen: Was, wann, wo, in welchem Kontext passiert ist sind wesentliche Inhalte ereignisbasierter Datenbankeinträge, die so standardisiert in einer Blockchain abgelegt und darüber ausgetauscht werden könnten. Dies gilt ebenfalls für bereits definierte Core Business Vocabulary, wie sie etwa für den Konsumgüterbereich existieren.

Wie das alles im Konkreten in den Bits & Bytes aussieht, wird GS1 mit interessierten Partnern erproben, um daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten und Beiträge für nötige Anpassungen, Erweiterungen oder Adaptionen von Standards zu leisten.

Hier geht's zu Teil 1 dieses Beitrags.

Dieser Blogbeitrag wurde gemeinsam mit der GS1 Germany GmbH geschrieben. 

Co-Autor:
Dr. Andreas Füßler
GS1 Germany GmbH

T +49 (0)221 94714 224
fuessler(at)gs1-germany.de

Blockchain – zwischen Hype und Wirklichkeit (Teil 1 von 2)

von Christian Milster 18.09.17

Kaum eine Konferenz, Verbändetagung oder ein Fachmagazinbeitrag im Technologieumfeld, ohne dass das Thema Blockchain darin auftaucht. Im Gartner Hype-Cycle 2017 sich entwickelnder Technologien hat Blockchain die Spitze überzogener Vorstellungen bereits überschritten und befindet sich auf dem Weg zur Erdung der Erwartungen an das realistisch Machbare. Indiz dafür ist auch die wachsende Anzahl an Anbietern von Testumgebungen – heißen sie nun Blockchain-Institut, -Lab, -Labor oder -Garage. Umfragen zeigen, dass Viele Blockchain für interessant und spannend erachten, jedoch häufig noch unschlüssig sind, wofür genau sie es einsetzen und wie sie das angehen könnten.

Immer wieder gibt es auch Aussagen, dass die Blockchain den Handel und damit natürlich auch den E-Commerce nachhaltig verändern wird. Was wären mögliche Anwendungsfelder? Warum ist die Blockchain-Technologie für all diejenigen interessant, die auf digitale Geschäftsmodelle setzen? Grund genug, dieses Thema hier zu erörtern. Dieser Artikel soll einen Beitrag dazu leisten, etwas Licht ins Dunkel zu bringen und das Thema Blockchain besser einzuordnen zu können. 

Was genau ist eigentlich Blockchain?

Zunächst einmal: Blockchain ist grundsätzlich nichts anderes als eine Datenbanktechnologie, bei der Daten nicht geändert, nicht direkt abgefragt und nicht gelöscht werden können. Da sich in einer Blockchain keine Einträge rückwirkend ändern oder löschen lassen, wächst das Datenvolumen und somit die jeweilige Blockchain stetig an. Die Informationen sind in Blöcken zusammengefasst und werden auf allen Rechnern eines Blockchain-Netzwerks gleichzeitig gespeichert. Diese dezentrale Organisationsstruktur ist eine der Haupteigenschaften der Blockchain-Technologie und macht sie besonders manipulationssicher. Ein weiteres neuartiges Merkmal ist, dass Blockchains keine vermittelnde Instanz, keinen kontrollierenden Intermediär mehr benötigen: Die Kontrolle übernimmt das Netzwerk.

Bislang war es so, dass jede Transaktion und jeder Austausch von Zahlungsmitteln eine Validierung durch einen Dritten wie eine Bank oder eine Regierungsbehörde bedurften. Selbst das Internet schließt wegen der Kostenstruktur der Intermediäre knapp 2,5 Milliarden Menschen vom globalen Finanzsystem aus. Geschäfte online abzuwickeln ist ohne Vertrauensvorschuss praktisch unmöglich. Außerdem werden aufgrund erhöhter Sicherheitsanforderungen an die Infrastruktur bei dieser Art sensibler Transaktionen bislang Intermediäre eingesetzt.

Aufgrund des mangelnden Vertrauens in das bestehende Bankenwesen im Zuge der großen Finanzkrise entstand 2009 die erste große und bekannte Blockchain. Über diese Blockchain wird bis heute die Kryptowährungen Bitcoin und Bitcoin Cash transferiert und verwaltet – ohne dass ein Dritter dazwischengeschaltet ist. So ist diese Blockchain wie ein digitales Kassenbuch, in dem alle (Bitcoin-)Transaktionen dezentral bei allen Beteiligten abgespeichert werden und somit transparent sind. 

Was ist an der Entwicklung dieser Technologie so neuartig und bedeutsam?

Primär existiert (lediglich) ein Internet der Informationen. Wir können alles beliebig oft teilen, u.a. Tweets, Artikel, Kommentare oder Bilder. Die Blockchaintechnologie bringt nun neuen Schwung in die Möglichkeiten, einmalige Daten im Netzwerk zu verbreiten. Diese Daten können aufgrund ihrer Einmaligkeit einen Wert bekommen, wie eben ein Bitcoin einen bestimmten Wert hat. Theoretisch ist das auch mit anderen einmaligen Werten möglich wie zum Beispiel mit Identitäten, Grundbucheinträgen oder Aktien. Neben dem Internet der Informationen entsteht nun ein Internet der Werte.

Wie weit ist die Technologie aktuell entwickelt?

Die Technologie steckt noch in den Kinderschuhen. Jedoch ist die Aufmerksamkeit für dieses Thema gerade sehr hoch. So gibt es kaum eine Branche, die nicht versucht, Blockchain zu verstehen und in ersten Use Cases zu testen, was damit alles möglich ist. Und alle stellen sich die Frage: Hype oder Wirklichkeit? Vergleicht man die Blockchaintechnologie mit der Entwicklung des Internets, so benötigt Blockchain noch fünf bis zehn Jahre, um auf den Stand des heutigen Internets zu gelangen. 1993 attestierte Microsoft-Mitgründer und Harvard-Abbrecher Bill Gates, dass das Internet nur ein Hype sei. Heute wissen wir, mit dieser Prognose lag er ziemlich daneben. 

Wie funktioniert eigentlich der digitale Transfer eines Wertes?

Grundsätzlich wird für das Transferieren von Werten eine zentrale Institution benötigt, die diese Transaktionen verifiziert. Beim Geld sind es etwa die Banken, die garantieren, dass ein Euro nicht doppelt ausgegeben wird. Bei Grundbucheinträgen ist es der Staat, der die Informationen zentral erfasst. Bei Bitcoin hingegen ist alles dezentralisiert. Das digitale Kassenbuch wird auf tausenden Rechnern weltweit zugleich abgespeichert. Alle zehn Minuten kommt ein Eintrag hinzu. Dieses Netzwerk ist so stark, weil es keinen einzelnen Punkt gibt, an dem es angegriffen werden könnte. Es gibt kein einzelnes Administratorenpasswort, mit dem Einträge verändert werden können. Es gibt keinen Server-Park, bei dem alles unwiederbringlich verloren wäre, wenn dieser bspw. abbrennt. Alle Teilnehmer haben alle Informationen.

Einen Konsens über die Informationen finden die Rechner in dem Netzwerk über den Algorithmus, der festgelegt und nur mit enormem Aufwand veränderbar ist. Das ist auf technischer Ebene eine tatsächliche (R)Evolution und war in der Form bislang nicht möglich. Bei der Bitcoin-Blockchain basiert das Vertrauen auf moderner Kryptographie, Mathematik und dem Gesetz der großen Zahl. 

Hier geht's zu Teil 2 dieses Beitrags.

Dieser Blogbeitrag wurde gemeinsam mit der GS1 Germany GmbH geschrieben.

Co-Autor:
Dr. Andreas Füßler
GS1 Germany GmbH

T +49 (0)221 94714 224
E fuessler(at)gs1-germany.de

E-Commerce im Wahlkampf – Antworten der Parteien auf die Wahlprüfsteine des bevh (Frage 5 von 5)

von Sebastian Schulz am 15.09.2017

Der Wahlk(r)ampf neigt sich seinem Ende zu. Bezogen auf die für die deutsche E-Commerce-Branche relevanten Themen hat unsere Sichtung der relevanten Wahlprogramme ein recht eindeutiges Bild ergeben. Während bei den einen der Themenkomplex Digitalisierung einen hohen Stellenwert genießt und hier v.a. die Chancen herausgearbeitet werden, zeichnen sich andere (weiterhin) als Bedenkenträger aus. Einzelaspekte der Digitalisierung im Handelsumfeld, aber auch andere Themen, die die Online- und Versandhandelsbranche bewegen, blieben in den Wahlprogrammen wiederum vollständig unberücksichtigt.

Wir haben deshalb noch einmal nachgefragt. Unsere Wahlprüfsteine wurden mittlerweile von allen angeschriebenen Parteien beantwortet. Hier nun die Antworten im Original und unkommentiert:

Frage 5: Für welche konkreten legislativen Maßnahmen wird sich Ihre Partei einsetzen, um gegen den zunehmenden Missbrauch wettbewerbsrechtlicher Abmahnungen von Onlineshops durch professionelle Abmahnvereine und auf Abmahnungen spezialisierte Anwälte vorzugehen?


Antwort CDU:

Ein Grundgedanke des deutschen Wettbewerbsrechts ist, dass die Marktteilnehmer selbst über den fairen Wettbewerb wachen und wettbewerbswidrige Praktiken im Geschäftsverkehr selbst rügen können. Bei Verstößen gegen wettbewerbsrechtliche Regelungen – wie sie z. B. das „Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“ (UWG) oder bei Internetdienstleistungen auch das „Teledienstegesetz“ vorgeben – besteht die Möglichkeit einer Abmahnung an die verstoßenden Wettbewerber. Dabei wird der Wettbewerber zu einer Unterlassungserklärung aufgefordert, wo ihm zudem die für dieses Tätigwerden entstandenen Kosten in Rechnung gestellt werden können. Dies ist rechtlich möglich, da der – unaufgeforderte – Hinweis auf einen Verstoß gegen Wettbewerbsregeln vom Rechtsgedanken her gesehen zivilrechtlich einen Fall der „Geschäftsführung ohne Auftrag“ darstellt, und nach diesem Rechtsinstitut für ein Tätigwerden im Interesse eines Dritten Aufwendungsersatz verlangt werden kann. Eine solche Abmahnung stellt also eine – mildere – Vorstufe zu einer Unterlassungsklage dar, die auch jeder Wettbewerber gegen einen unlauteren Mitbewerber erheben kann. Was die Höhe des als eigentlich störend empfundenen Aufwendungsersatzes für die Abmahnung anbelangt, so hat der Deutsche Bundestag mit der am 1. September 2008 in Kraft getretenen Änderung des Urheberrechtsgesetzes in § 97a festgeschrieben, dass bei der Abmahnung einfacher Rechtsverstöße eine Grenze von EURO 100 nicht überschritten werden darf. CDU und CSU wollen die Verbraucher jedoch noch besser vor ungerechtfertigten Abmahnungen durch schwarze Schafe schützen. Im Rahmen der Evaluation des Gesetzes gegen unseriöse Geschäftspraktiken wollen wir deshalb insbesondere die Wirksamkeit der Streitwertdeckelung bei Abmahnungen gegen Verbraucher auf Grund von urheberrechtlichen Verstößen im Internet prüfen.

Antwort SPD:

Auch Betreiber von Onlineshops nehmen als Unternehmer am Markt und damit am Wirtschaftswettbewerb teil. Es liegt im Interesse des Verbraucherschutzes und auch der Gewährleistung eines fairen Wettbewerbs, dass hierbei die bestehenden Regelungen – z.B. zur Ausgestaltung von Online-Auftritten – eingehalten werden. Fachkundige Beratung über die zu beachtenden rechtlichen Vorgaben können Gewerbetreibende bei den Industrie- und Handelskammern, Branchenverbänden oder bei spezialisierten Rechtsanwälten erhalten. Diese helfen weiter und beraten Gewerbetreibende zu bestehenden Informationspflichten im Onlinehandel.

Wir wollen nicht, dass kleinere Online-Händler durch Missbrauch wettbewerbsrechtlicher Abmahnungen in existenzielle Schwierigkeiten geraten. Daher war und bleibt es Anliegen der SPD, missbräuchlichen wettbewerbsrechtlichen Abmahnungen einen Riegel vorzuschieben. Insofern begrüßen wir, dass Abmahnungen im Online-Handel rückläufig sind. Der Anteil rechtsmissbräuchlicher Abmahnungen ist ebenfalls gesunken. Aufgabe der Politik ist es, diese Entwicklung für die Zukunft zu festigen. Dafür setzen wir uns ein.

Antwort FDP:

Abmahnungen sind grundsätzlich ein sinnvolles Instrument der Rechtsordnung, um Kosten für alle Beteiligten zu begrenzen und die Gerichte zu entlasten. In der Vergangenheit kam es aber gehäuft zu missbräuchlichen Abmahnwellen gegen Internetnutzer und viele Kleingewerbetreibende. Schon auf Grund geringer Verstöße kommt es zu Abmahnungen, die erhebliche finanzielle Belastungen nach sich ziehen, woraus einige „Schwarze Schafe“ ein regelrechtes Geschäftsmodell entwickelt haben. Wir wollen, dass die Bemessung des Streitwerts anhand der wirtschaftlichen Lage des Abgemahnten berechnet wird und somit auch die Anwaltskosten gedeckelt werden. Auf europäischer Ebene werden wir uns für konsistente Richtlinien und Verordnungen einsetzen, um für mehr Rechtsklarheit zu sogen. 

Antwort Bündnis90/Die Grünen:

Abmahnungen können Unterlassungsansprüche effektiv und ohne teure, langwierige Gerichtsverfahren lösen. Dieses Ziel wird jedoch durch massenhafte Abmahnungen konterkariert. Wir fordern, finanzielle Anreize für missbräuchliche Abmahnungen zu verringern, indem konkretere Streitwertregelungen getroffen und fliegende Gerichtsstände abgeschafft werden.

Antwort Die Linke:

Die Richtlinien und Vorschriften, die beim Onlinehandel beachtet werden müssen, um nicht einem der mehrere hundert Abmahngründen zu unterliegen, sind inzwischen so zahlreich und komplex, dass insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen und Gewerbetreibende sie nicht oder nicht vollends durchschauen können. DIE LINKE will deshalb in einem ersten Schritt zunächst die dringend überfällige Systematisierung der Problemfelder und einer Durchsicht aller Formvorschriften fördern, um in einem zweiten Schritt durch geeignete gesetzgeberische Eingriff e die Rechtsfehleranfälligkeit in der Geschäftstätigkeit im Internet abbauen und beseitigen zu können.

Missbräuchlichen Nutzungen des Instruments der Abmahnungen, etwa in Form der Behinderung von Wettbewerbern oder zur Erzielung von Einnahmen über anwaltliche Gebührenforderungen, könnte allerdings bereits heute schon rasch durch eine Streitwertbegrenzung zur klaren Deckelung der Abmahnkosten begegnet werden. Das würde der Attraktivität von Massenabmahnungen und von Abmahnungen aus rein materiellen Gründen unmittelbar entgegenwirken, da in Folge der materielle Anreiz für professionelle Abmahnvereine und auf Abmahnungen spezialisierte Anwälte entfiele. Im Falle des Abmahnunwesens bei Urheberrechtverletzungen haben wir diesen Vorschlag schon vor Jahren als Gesetzentwurf im Bundestag eingebracht (BT-Drs. 17/6483), der entsprechend modifiziert werden kann. Wir wollen im Falle des Missbrauchs wettbewerbsrechtlicher Abmahnungen von Onlineshops hier weiter gehen. Ferner wollen wir der Praxis des sogenannten fliegenden Gerichtsstands entgegentreten, indem eine Beschränkung der Wahl des Gerichtsstands
der Abmahnanwälte erfolgt. Denkbar ist beispielsweise eine Beschränkung des Gerichtsstands auf Wohnort oder Sitz des Abgemahnten. Sicherstellen wollen wir auch, dass zu Unrecht Abgemahnte, die für ihre Rechtsverteidigung nötigen
Aufwendungen vollständig ersetzt bekommen, damit von vornherein unberechtigte und sinnlose Abmahnversuche mit einem sehr viel höheren Kostenrisiko belegt werden.

E-Commerce Agenda 2017


Mit der E-Commerce-Agenda 2017 formuliert der bevh seine politischen Forderungen an die politischen Parteien im Wahljahr 2017. Download

 

 

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Jahresbericht 2016

Dieser Jahresbericht erläutert die Arbeit unseres Verbandes im Jahr 2016. Er zeigt Möglichkeiten, wie Sie als Mitglied und Preferred Business Partner von einer Mitgliedschaft profitieren können. Download


                                 

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